Rogers & Simones Webpinnwand
Beiträge getaggt mit Musik
Schicht im Schacht
18. Mai
Das Substage in Karlsruhe ist kein Club wie jeder andere. Untergebracht in einer stillgelegten Fußgängerunterführung unter der Ettlinger Straße hindurch hat es ein ganz eigenes, sehr gemütliches Ambiente. Diese Umgebung war Austragungsort vieler wirklich genialer Konzerte. Nicht nur einmal bin ich nach dem dortigen Besuch einer mir zuvor noch wenig bekannten Band zu deren Fanboy mutiert. Vielleicht ist das jetzt alles Geschichte, denn die Fußgängerunterführung wird geräumt um Platz für die Karlsruher U-Strab zu machen. Der Club eröffnet dann vermutlich im September in der ehemaligen Schlachthalle an der Durlacher Allee neu.
Zum Abschluss des Kapitel Fußgängerunterführung war letzte Woche unter dem Motto Schicht im Schacht Festivalwoche angesagt. Den Auftakt machte ein Konzertabend mit den Bands At The Soundawn, Ira und Long Distance Calling. Um es kurz zu fassen: Ein fantastischer Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde und ein würdiger Abschluss für Substage im Tunnel. In mehr Worte gefasst haben das andere Besucher dieses Abends sehr treffend hier und hier. Bilder gibt es auf flickr. Meine Wenigkeit kann noch einen kurzen Ausschnitt des überwältigenden Auftritts von Long Distance Calling (leider nur Telefonqualität) beisteuern, und zwar hier:
Errors / Schocken Stuttgart
05. Mai
Ich mag Konzerte. Ich bevorzuge es in kleinerem Rahmen wie im Karlsruher Substage oder der Stuttgarter Röhre. Für meist kleines Geld gibt es hier noch richtig große Konzerterlebnisse, mittendrin statt nur dabei. Das gestrige Konzert definierte den Begriff “kleinerer Rahmen” für mich neu. Auf der Bühne: Die Errors, eine junge, leider noch relativ unbekannte Band aus Glasgow. Lokation: Der Club Schocken in Stuttgart-Mitte. Für den geräumigen “1st Floor” angekündigt, stattgefunden in der “Beatbox” im Keller. Beatbox beschreibt die Räumlichkeit sehr treffend. Auf einer Fläche von geschätzt 35 qm eine Bühne, eine Bar, eine Tanzfläche. Wenig Platz und doch mehr als ausreichend für die geschätzten 30 Besucher des Konzerts. Errors sind gewiss nicht eine dieser Bands, die Fußballstadien füllen. Ein wenig mehr Zuspruch wäre jedoch wünschenswert und auch verdient gewesen. Aber es wurde wohl versäumt, die Werbetrommel angemessen oder überhaupt zu rühren.
Am Auftritt selbst gab’s dann eigentlich nichts zu meckern. Druckvoller Sound und auch live kam die mal mehr, mal weniger mit Elektronik angereicherte Rocksuppe der Errors gut rüber. Nach etwa einer Stunde war der Spaß leider vorbei. Mit größerer Publikumsmasse hätte es sicherlich noch mehr davon gegeben, der Auftritt hatte teilweise etwas einer Privataufführung. Unterm Strich gehen die gezahlten 11,70 € jedoch in Ordnung. Vielleicht klappt das ja das nächste Mal in einem etwas würdigeren Rahmen.
Hier gibt’s übrigens die Aufzeichnung des halben Sets dieser Tour, aufgenommen letzte Woche in Amsterdam und mit noch größerem Publikum.
Errors im grenzenlosen Markt
16. Mrz
Bei meinen Twitter- und Webstöbereien bin ich auf die Errors, eine vielversprechende junge Band aus Glasgow, gestoßen. Die Band verwischt auf wunderbare Weise die Grenzen zwischen elektronischer und “handgemachter” Rockmusik. Entfernt klingt das wie Mogwai mit einen guten Schuss Elektronik. Nicht die einzige Parallele, stehen die Jungs doch bei Mogwais eigenem Label Rock Action Records unter Vertrag.
Das aktuelle Album “Come Down With Me” ist in Großbritannien seit drei Wochen als CD und seit zwei Wochen als Download verfügbar. Tolle Sache, wäre da nicht das Problem mit meinem deutschen Wohnort im ansonsten grenzenlosen Europa. Die Downloadfassung befindet sich im Sortiment von iTunes UK, Amazon MP3 UK und 7Digital UK. Das UK ist hier jeweils wörtlich zu nehmen, denn Kunden von außerhalb UK dürfen dort nichts kaufen, selbst wenn sie Geld dafür bieten. Und so schaut man hier downloadtechnisch in die Röhre, denn die jeweiligen Stores in deutschen Landen haben das Gewünschte schlicht nicht im Sortiment.
So bin ich wieder bei der altbewährten CD gelandet. Grenzenlos und günstig bei Amazon UK geordert, denn das darf ich noch. Hoffentlich noch lange, denn bei CDs, DVDs und Blu-Rays ist Amazon UK in Preis und Liefermodalitäten schon eine Weile eine echte Alternative zum deutschen Markt.
Wäre ich nicht so ein ehrlicher Musikkäufer, hätte ich mir die Scheibe problemlos und ohne regionale Einschränkungen bei einem der vielen Filehoster geladen. Nur hätte dann die Band nichts davon gehabt. Und das wäre schade.
Update: Die Jungs touren jetzt auch außerhalb Großbritanniens, unter anderem kommen sie auch nach Stuttgart. Tourdaten gibt’s hier.
Zum Reinschnuppern:
“A Rumour In Africa” vom aktuellen Album “Come Down With Me”:
“Terror Tricks” von der “How Clean Is Your Acid House?” EP:
Porcupine Tree 27.11.2009 Stuttgart
28. Nov
Alle zwei Jahre wieder touren die Jungs von Porcupine Tree durch die Lande. So auch dieses Jahr. Die “The Incident”-Welttour gastierte gestern in der Stuttgarter Carl Benz Arena. Im Vorprogramm gab’s die Stick Men, ein King Crimson Spinoff mit Tony Levin und Michael Bernier am Chapman Stick und Pat Mastelotto an den Drumsticks. Gespielt wurden neben eigenen Stücken mit Red und Elephant Talk auch zwei King Crimson Stücken in Chapman-Stick-Adaption. War nett, richtig Stimmung kam aber auch aufgrund der noch aktiven Hallenbeleuchtung nicht so recht auf.
Nach der obligatorischen Umbaupause und Absaugen der Bühne gab’s per Durchsage nochmal den Hinweis, dass jegliche Audio-, Photo- und Video-Aufzeichnungen verboten sind und das auch Aufzeichnungen per Mobiltelefon einschließt. Aufzeichner würden der Halle verwiesen. Sollte man feststellen, dass andere Konzertbesucher aufzeichnen soll man diese darauf hinweisen, dies zu unterlassen. Um auf Nummer sicher zu gehen, waren die Vorräumlichkeiten der Halle noch mit selbstgedruckten Verbotszetteln tapeziert. Sollte diese Masche einreißen, darf man sich als Konzertbesucher wohl bald auch über “Mobiltelefonbesitzer und Fotografen sind Verbrecher”-Spots im Vorprogramm freuen. Nicht gut.
Im Vorfelds des Konzerts war ich etwas unschlüssig, was mich dort erwarten würde: Die letzte Tour hatte ich verpasst und die Entwicklung der Band in den letzten Jahren fand nicht mehr das Gefallen, das für die älteren Werke durchaus noch besteht. Die Unschlüssigkeit wurde nicht beseitigt als ich vernahm, dass das letzte Album The Incident in seiner Komplettheit aufgeführt und darüber hinaus so gut wie kein älteres Material gespielt würde. Los ging’s dann auch mit der Komplettaufführung von “The Incident” welche nur einmal kurz zu Beginn von Steven Wilson und der Ankündigung, dass die Aufführung pausenfrei erfolgen und er jetzt die Klappe halten wird. Gesagt, getan. Erstaunlicherweise funktioniert The Incident live sehr gut. Unterstützt von einer zurückhaltenden aber geschmackvollen Lightshow und begleitender, vom PT-Stammkünstler Lasse Hoile gestalteten Videoprojektion konnte das Material überzeugen und hatte durchaus seine Momente. Nachdem The Incident abgewickelt war, gab es eine Unterbrechung des Sets und eine Pause für die Band. Per Countdown angekündigt ging es exakt zehn Minuten später mit dem zweiten Set weiter. Und hier konnten Porcupine Tree richtig punkten. War The Incident gut, wurde es hier richtiggehend grandios. Druckvoll und spielfreudig zelebrierten die Jungs um Steven Wilson eine Performance der Extraklasse. Trotz dessen dass auch hier Material neueren Datums gespielt wurde, konnte die Band mich und wohl auch den Rest des Publikums mitreißen. Wie gewohnt ganz große Show, besonders hervorzuheben wären hier die Aufführungen von Anesthetize und Way Out Of Here.
Porcupine Tree haben gezeigt, dass sie es immer noch draufhaben und auch größere Hallen problemlos bedienen können. Verglichen mit meinem ersten PT-Konzerterlebnis vor sechs Jahren in heimeliger Atmosphäre im Karlsruher Substage hat die Band eines an Professionalität und wohl auch an Routine hinzugewonnen. Der Konzertbesuch hat sich definitiv gelohnt, in hoffentlich nicht länger als zwei Jahren bin ich wieder dabei. Unabhängig davon wie die nächste Platte wird.
Die Setlist gibt’s hier.
Musikoffensive 2009
17. Mrz
2009 scheint in musiktechnischer Hinsicht ein richtig gutes Jahr zu werden. Was bisher an feinen Platten veröffentlicht wurde, kann sich echt sehen lassen: Endlich neues Material von Pure Reason Revolution. Während der Erstling “The Dark Third” schön floydig fluffig rockend daher kommt, geht das Zweitwerk “Amor Vincit Omnia” gehörig in die elektronische Richtung. Zunächst ungewohnt, nach kurzer Eingewöhnungszeit aber definitiv klasse. Live zu sehen sind die Jungs und das Mädel am 1. April in der Röhre in Stuttgart.
Zeitgleich gab’s die erste Soloplatte des Porcupine Tree Masterminds Steven Wilson. Der äußerst produktive Workaholic hatte in den letzten Jahren in seinen diversen Bands und Projekten schon einige Perlen zur Welt gebracht. Nun das erste Mal solo. “Insurgentes” ist ein stimmiger Streifzug durch die verschiedenen Ausprägungen der Wilson’schen Musik und vor allem in der beiliegenden Mehrkanal-Abmischung erste Sahne.
Diesen Freitag ist nun die neue und dritte Röyksopp “Junior” dran. Selbige darf man vorab auch schon auf der Website der Band anhören. Die erste Single “Happy Up Here” klingt etwas nach dem Stil der ersten Platte “Melody AM”, der Rest der Platte jedoch eher weniger. Was jedoch nicht negativ auszulegen ist. Für Ende dieses Jahres ist dann das ruhigere Gegenstück “Senior” angekündigt. Schade dass man das hier in der Gegend nicht live erleben darf.
Im April ist dann die neue Depeche Mode “Sounds Of The Universe” dran, während mein vermutetes Highlight des Jahres Ende Mai veröffentlicht wird: Die mit hohen Erwartungen lang ersehnte neue Dredg “The Pariah, The Parrot, The Delusion”. Kann eigentlich nur gut werden.
Ach ja, für das Spätjahr hat Steven Wilson auch noch Neues von Porcupine Tree angekündigt. Und David Sylvian soll uns dieses Jahr auch noch beglücken. Langweilig wird 2009 wohl nicht.
Suchtmucke
19. Okt
Dieses verfluchte Internet ist schon der Tod der Musikindustrie. Nun bin ich darüber wieder mal auf eine Band gestoßen, die ich ohne wohl nicht kennengelernt hätte. Als Resultat musste ich mir gleich die letzten beiden Scheiben beim örtlichen Drogerie- und Medien-Dealer abgreifen. Seitdem laufen beide hintereinander in Dauerrotation und die noch fehlenden ersten zwei Scheiben sind zum Kauf vorgemerkt. Einfach grandios diese Band. Böses Internet.
Dumm gelaufen
27. Aug
Stell dir vor die beste Band der Welt™ spielt live in erreichbarer Nähe und du kannst nicht hin. Leider ist das heute Realität. Zu weit weg um am nächsten Tag noch bei der Arbeit mit gutem Gewissen einsetzbar zu sein und dazu noch ziemlich schnell ziemlich ausverkauft gewesen. Hoffentlich kommen die Jungs bald mal wieder zu einer günstigeren Zeit hier vorbei.
Now playing: Dredg – El Cielo (in Endlosrotation)
Reizüberflutung
01. Jun
Mittlerweile halten sich meine Ausgaben für Musik-CDs in Grenzen und kaufe nur noch gelegentlich Neuware. Somit bleibt meist genug Zeit, sich mit den aktuellen Neuzugängen in der Sammlung ausreichend zu beschäftigen. Blöderweise kamen diesen Freitag die aktuellen Veröffentlichungen von Alanis Morissette, Opeth und das Debut der Ting Tings zeitgleich auf den Markt. Und nun nudeln seit Freitag alle diese drei Scheiben hoch und runter, harmonieren nicht so recht miteinander und verursachen eine feine Reizüberflutung. Jetzt habe ich wenigstens Zeit darauf zu warten bis die aktuelle No-Man billiger wird oder die neue Dredg endlich auf den Markt kommt.
gameboy meets lagerfeuer
24. Mai
Der gestrige Ausflug nach Frankfurt zur Pflege alter Wohnheimkultur hat sich gelohnt. Unter anderem weil ich dabei auf eine lokale Band aus der Rhein-Main-Gebiet gestoßen bin und Gefallen an deren Mischung aus Gitarrenmusik und C64-/Gameboy-Sounds gefunden habe. Die Band heißt Pornophonique und beschreibt ihre Musik mit
eine gitarre. ein gameboy. ein c64. zwei typen. space invaders samples. lagerfeuergeschrabbel. gameboygedudel. auch gesang mit dabei. lowtech. lo-fi. micro. porn.
Passt eigentlich ganz gut. Pornophonique veröffentlichen ihre Musik unter einer freien Creative Commons Lizenz. Das Album “8-bit Lagerfeuer” kann daher völlig legal runtergeladen werden. Dafür spenden darf man aber trotzdem. Empfehlung! Mehr >
Won’t buy for sure
07. Nov
Wie die BBC berichtet, wird der als iPod-Killer definierte Microsoft Zune Player kein Material abspielen können, welches bei Microsofts abgekündigten MSN Music Store erworben wurde. Stattdessen darf man bereits gekauftes Material im Nachfolgeshop Zune Music Shop nochmals erwerben, wenn man denn unbedingt so ein Zune-Teil braucht.
Daß sowas bei dem bei MSN verhökerten DRM-Kram passieren kann, ist nicht sonderlich verwunderlich. Daß sowas aber bei Material eines Anbieters vorkommt, welches zudem noch als “Plays For Sure” angepriesen und vermarktet wird, ist peinlich.
Wieder ein Grund mehr, diesen DRM-Mist zu ignorieren und bei dem von eigenen CDs erstellten Ogg Vorbis Material zu bleiben. Plays for sure: Auf meinem uncoolen Player, im Auto und auf jedem meiner Systeme. Und das wird wohl auch so bleiben. Auch ohne “Plays For Sure” Logo.

Kommentare